Hartmut Emrich

Autor und Herausgeber

Ralf Kempel Krimis

Coffee to go

Das ist der sechste Roman der Ralf Kempel Krimi Reihe und er schließt mehr oder weniger an die Handlung des vorherigen Krimis 'Echt dumm gelaufen' an. Wie auch bei den vorherigen Krimis der Ralf Kempel Krimi Reihe, setze ich voraus, dass der Leser die vorherigen Geschichten bereits kennt und um die Eigenheiten der jeweiligen Figuren in der Handlung weiß.

Im Frühjahr 2017 ist seit längerem kein großer Fall an jene Detektei herangetragen worden, die von Ralf und Ellen betrieben wird und in der sich Rainer und die schwedische Ermittlerin Ann-Britt, seit Rainers Rückkehr nach Deutschland, ebenfalls engagieren. Seit jenen Ereignissen um die brutalen Morde im Herbst ist mehr als ein halbes Jahr vergangen und für Ralf ist das eine wichtige Zeit gewesen, die er auch nutzen konnte, um sich von den schweren Verletzungen zu erholen, die ihm nach den Ereignissen um das Gold aus dem Werlauer Schacht, beinahe das Leben gekostet hätten. Für Ellen ist es eine wichtige Zeit gewesen, um sich um jenes kleine Mädchen zu kümmern, das sie im Juli des vergangenen Jahres, vier Wochen zu früh, zur Welt gebracht hatte. Lediglich Rainer und Ann-Britt hatten ein paar kleinere Aufträge übernommen und einer jener Aufträge bringt Rainer und Ann-Britt eine Einladung zu einem Empfang in ein Luxushotel nach Bonn ein. Der Filmregisseur Lutz 'Lulu' Ludwig, hatte zum Jahresbeginn Rainers Dienste in Anspruch genommen und revanchiert sich nun kurzfristig mit jener Einladung zu dieser Veranstaltung, in dessen Verlauf der Regisseur eigentlich mit einem Förderpreis geehrt werden soll. Da Ann-Britt keine Lust hat, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, lässt sich Ralf überreden, Rainer nach Bonn zu begleiten. Aber eine Organisation mit dem Namen SSfS - was für ’Stoppt Steuern für Schund' steht - lässt sämtliche Teilnehmer des Empfangs mit K.O. Tropfen vergiften. Ralf und Rainer wachen, jeweils in Begleitung dürftig bekleideter Frauen, am nächsten Morgen in dem Luxushotel auf und können sich nicht daran erinnern, was passiert ist. Damit befinden sie sich in bester Gesellschaft, denn den anderen geladenen Gästen und Teilnehmern des Empfangs geht es nicht anders. Zunächst sind es nur die großen Gedächtnislücken nach dem Empfang für Rainers neuen Freund Lulu Ludwig, die Ralf und Rainer beschäftigen. Dann wird Rainer beschuldigt, sich an jenem minderjährigen Mädchen vergangen zu haben, das gemeinsam mit deren bekannter Mutter in Rainers Bett gelegen hatte. Die Vorwürfe können aber schnell entkräftet werden und eigentlich könnten sie wieder auf den Hof zurückkehren. Doch ein Selbstmord, der ebenso gut Mord sein könnte, und an dessen Ermittlung die Polizei angeblich wenig Interesse hat, bringt sie zu einem neuen Fall, der unter anderen auch mit Kaffee in einem Café, aber auch mit skrupellosen superreichen Menschen zu tun hat.

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Eigentlich hatte ich nicht mehr die Absicht, das 'Ralf Kempel Krimi Projekt' weiter zu verfolgen. Ich habe es bei meinem letzten Krimi im letzten Jahr gespürt - und auch vielleicht der eine oder andere Leser - dass irgendwie noch vor dem Ende der Geschichte die Luft raus war. Wer meine News auf meiner Webseite verfolgt, hat auch verfolgen können, wie mich der Job immer mehr vereinnahmt. Es ist aber nicht die Zeit, die mir zum Schreiben fehlt. Die finde ich - ich staune selbst - irgendwie immer. In schlaflosen Nächten in Hotelzimmern, unterwegs in Deutschland, in endlos langen Staus, wenn mal wieder ein übermüdeter und unterbezahlter Trucker aus Osteuropa zur Begeisterung hirntoter Idioten, die Bilder solcher Unfälle mit Begeisterung ins Netz stellen, beim Sekundenschlaf den gesamten Verkehr für Stunden zum Erliegen bringt, weil dem sein völlig zerstörter Laster, möglicherweise noch ein paar PKWs und andere Laster samt Fahrern und Passagieren von der Autobahn gekratzt werden müssen. Zum Wohl der Sparfüchse in den Konzernen, die auf Lean Inventory setzen und die Lagerhaltung bereits vor Jahren, mit der Zustimmung korrupter Politiker und auf Kosten der Steuerzahler, auf die Autobahnen und die Rasthöfe der Republik verlegten.

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich ja erklären, warum das Thema Ralf Kempel für mich so gut wie erledigt war. Wer mit offenen Augen durch die Republik geht und sich nicht von den Medien verblöden lässt, verliert allmählich die Lust, Krimis zu schreiben, denn das Leben ist allmählich selbst zum Krimi geworden. Pornos wären da vielleicht eine Alternative. Aber ich habe kürzlich bei einer Recherche erfahren, dass der Energieverbrauch für das Internet (nur für das Internet und nicht für die Netzversorgung der Endgeräte, Ladung für Akkus, etc.) derzeit ca. fast 10% des gesamten weltweiten Energiebedarfs betragen würde und der Anteil an Porno bezogener Webseiten dabei einen Anteil an von 40% hätten. Da überlegte ich mir, dass das Porno Konzept vielleicht zu umweltschädlich sein könnte. Bei einem Gesamtenergieverbrauch von 21 Billionen kWh weltweit - also das sind 2100 Milliarden, oder 21-13 Kilowattstunden - fallen alleine gut 2 Billionen auf den Bedarf für das Internet - mit steigender Tendenz und ganz ohne Viagra. Und von diesen gut 2 Billionen, entfallen 800 Milliarden auf das Nutzen von Pornoseiten im Internet. Aber das sind nur Zahlen, die fern der menschlichen Vorstellungskraft liegen. Vor allem, seit unsere Politiker damit anfingen, mit Geldbeträgen um sich zu werfen, von denen die noch nicht mal wissen, wie viele Nullen die vor dem Komma haben und von denen die nicht wissen wollen, wer das Geld erwirtschaftet hat. Milliarden, Billionen oder gar Billiarden erfahren wegen der Verschwendungssucht unserer Politiker und den Vermögenswerten einzelner Superreicher ja geradezu den Status der Normalität. Wen wundert es also, wenn man bei solchen Zahlen völlig den Überblick verliert. Aber diese Zahlen werden transparenter, wenn man sich Bezugsgrößen schafft. Zahlenangaben ohne Bezugsgrößen sind die Stärken unserer modernen Mediengesellschaften und der staatlich verordneten Nachrichtenwelt. Also halten wir uns mal vor Augen, über was der Emrich hier spricht und schaffen uns ein paar Bezugsgrößen.

Kürzlich wurde ja der große Kühlturmes des AKW Mülheim Kärlich abgerissen. Dieses AKW war von mittlerer Größe und sollte zur Zeit der Planung ca. 10 Milliarden Kilowattstunden an Atomstrom pro Jahr produzieren. Von diesen AKWs gab es in Deutschland einige. Wenden wir uns einem nicht besonders beliebten Kraftwerk zu, das seine Energie durch das Verbrennen fossiler Energieträger erzeugt. Das Kraftwerk Staudinger bei Großkrotzenburg, in der Nähe von Hanau. Das hat eine Jahreskapazität von 5,5 Milliarden kWh und ist damit von der Leistung knapp halb so groß wie der Typ des AKW Mülheim-Kärlich. Spontan muss ich natürlich auch an die Braunkohlendreckschleudern denken, die mit ihrem großen Hunger ganze Landschaften verschlingen. Nehmen wir einmal exemplarisch das Kraftwerk Eschweiler bei Aachen, vielen deswegen bekannt, weil man auf dem Weg nach Aachen und weiter nach Holland und Belgien direkt daran vorbeifährt. Eschweiler hat eine durchschnittliche Jahreskapazität von etwas weniger als 7,5 Milliarden kWh. Die Zahlen sind im Übrigen öffentlich und für Jedermann und jede Frau - ich schenke mir hier die Gendergeschichte - nachprüfbar.

Wir haben jetzt also unsere Bezugsgrößen und ich schweife nur ganz kurz noch einmal ab, weil mir gerade das Bild der medienvereinnahmten Greta Thunberg in den Sinn kommt, die man gegenwärtig ja vor jeden Karren spannt, der durchs Dorf getrieben werden soll. Nein! Falsch! Durchs Dorf getrieben, werden ja die Schweine. Jedenfalls stellte man das Mädchen an den Rand des Braunkohletagebaus in der Nähe des - ebenfalls für alle Seiten medienwirksam vereinnahmten - Hambacher Forstes und fotografierte die Kleine dort mit Tränen in den Augen. Massenmedien, die sich über das Internet verbreiten, werden kaum über den CO2 Bedarf der Medienwelt nachdenken. Ebenso wenig wie die Printmedien freudig darüber berichten, wie groß die abgeholzten Waldflächen jährlich sind, die den unfassbar großen Holzbedarf für die Papierindustrie decken müssen.

Aber kommen wir zurück zu unseren Bezugsgrößen, wie wir uns jetzt mit der Jahresleistung von drei unterschiedlichen Großkraftwerkstypen geschaffen haben. Wie groß war schnell noch der Energieverbrauch durch das Internet weltweit im Jahr 2018? 2 Billionen kWh, nicht wahr? Um es für die Kopfrechner unter uns einfach zu machen, schaffen wir uns noch vergleichbare Zahlen und sagen 2000 Milliarden, anstatt den 2 Billionen. Das wären 200 Atomkraftwerke vom Typ Mülheim Kärlich, 266,6 Kraftwerke vom Typ Eschweiler bei Aachen und 363 und ein paar zerquetschte vom Typ Staudinger. Ich überlasse es dann euch, es auszurechnen, wie viele Kraftwerke man benötigt, um Pornoseiten im Internet zu verbreiten.

Aber ich schweife bereits wieder ab und ihr seht, dass das häufig passiert, wenn ich mich mit gegenwärtigen Entwicklungen beschäftige. Einen Krimi auf diese Art und Weise zu schreiben, ist sicher kein erfolgversprechendes Konzept und bei der Frage, ob ich einen so konfus konzipierten Krimi lesen wollen würde, ist meine Antwort eindeutig. Nein, natürlich nicht. Ich möchte beim Lesen unterhalten werden. Ich möchte beim Lesen auch lernen - das schadet nie und bei einem meiner Lieblingsschriftsteller Michael Crichton hatte ich zum Beispiel immer den Eindruck, etwas lernen zu können. Und ich möchte aus einer Geschichte auch wieder auftauchen können, ohne das Gefühl haben zu müssen, für immer geistig deformiert zu sein.

Mit diesem Anspruch schreibe ich alle meine Bücher und ich gebe zu, ich würde die selbst kaufen und lesen, wenn ich die Zeit dazu hätte. Also warum hatte ich mit einem Mal den Eindruck, keine Ralf Kempel Krimis mehr schreiben zu können? Mir gefallen die nämlich und ich hatte mir vorgenommen, nicht dem Mainstream zu folgen. Eigene Konzepte zu verwenden und vor allem, dem eigenen Stil treu zu bleiben. Es ist nur dann zu verstehen, wenn ich wieder mit Zahlen hantiere. Das liegt vielleicht daran, dass man erwartet, Ingenieure würden immer mit Zahlen um sich werfen, wie Guiseppe der Clown, bei einer missglücken Jonglage mit 20 Kegeln.

Der anspruchslos geschriebene Marcus Weg ist ein nettes Buch, ich würde es aber nicht als das große Highlight meiner Bücher bezeichnen. Der Marcus Weg ist aber, zusammen mit den anderen Marcus Weg Büchern 2 bis 5, mit Abstand das meistgelesene und meist gekaufte meiner Bücher. Ich kann davon ausgehen - und ich sehe das deutlich in den Verkaufsstatistiken, dass ein Leser des Marcus Weg 1 auch die anderen Bücher lesen wird. Von einem Kerl abgesehen - ich will den mal vorsichtig als Wirrkopf bezeichnen - der bei Buch 4 einstieg, das deutlich und für jeden erkennbar als viertes Buch einer Serie gekennzeichnet ist und der eine ein-Sterne - Scheiß-Rezension schrieb, gibt es keinerlei Feedback. Aber die Bücher werden wenigstens gelesen.

Anfangs fand sich auch eine regelmäßige Leserschaft für meine Krimis. Aber irgendwie blicke ich bei dem Leseverhalten meiner Krimi-Leser inzwischen nicht mehr durch. Lange Zeit geht gar kein Krimi. Dann werden die Rheingold Krimis gelesen, ohne dass die Vorgänger verkauft wurden und ich befürchte fast, wieder eine Rezension zu erhalten, die einem wie der Gestank von Hundescheiße am Stiefel immer verfolgt und die man leider im Internet nicht mehr los wird. Und dann ist wieder eine Weile kein Verkauf der Krimis feststellbar. Historisch geht immer und Daniela 'Dany' Schmieds Schicksal aus 'Lust Hoffnung Liebe' ist bei den Taschenbüchern und den E-Books eine Bank. Dass sich bei dem Inhalt von 'Lust Hoffnung Liebe' niemand an eine positive Rezension traut, habe ich auch nie erwartet. Wer outet sich denn gerne als Leser von pornographischer Literatur? Eben!

Wenn ich an meine Krimis denke, muss ich immer wieder an dieses frustrierende Erlebnis im Rahmen der Mittelrhein Momente denken. Ich las ein paar ausgewählte Szenen aus Rheingold vor einem Publikum, das sich kaum für dieses Buch interessierte. Die kamen, um zu essen. Das hat mich mehr getroffen, als ich das noch im letzten Jahr vor mir zugeben mochte. Vielleicht fühlt sich ein Clown in der Manege so, über den man nicht mehr lacht. Oder der Sänger auf der Bühne, dem nicht wenigstens höflicher Applaus zuteil wird. Präpubertierend war ich als Sänger echt gut. Ich stand sogar ein paarmal vor einer größeren Anzahl von Menschen - also durchaus vor großem Publikum - auf der Bühne. Vielleicht haben mich diese kindlichen Erfolgserlebnisse verwöhnt. Wer weiß.

Merkt ihr was? Ich schweife wieder ab. Und bevor ihr euch ungeduldig fragt, was dieses ungewöhnliche Vorwort zu bedeuten hat, möchte ich schon mal bekannt geben, dass dieser Ralf Kempel Krimi mit großer Wahrscheinlichkeit der letzte dieser Reihe sein wird. Ob Ralf ums Leben kommt, oder die Geschichte anders endet, weiß ich jetzt noch nicht, denn zum Zeitpunkt, als ich das Vorwort schreibe, existiert nur der Titel, ein grober Plott, der Prolog und die Idee für das Titelbild.

Jenen Lesern, die meine Krimis regelmäßig kauften und auch lasen (das Eine hat nicht immer zwangsläufig auch was mit dem Anderen zu tun) danke ich für die Geduld mit den Geschichten. Ich werde weiterhin Bücher schreiben. Vor allem Fantasyprojekte und Science Fiction. Vielleicht auch noch solche Bücher wie „… und das war alles?” das zu meinen persönlichen Lieblingsbüchern zählt. Und vielleicht auch noch weitere Krimis. Mal sehen…

 

Hartmut Emrich

Sankt Goar Werlau im September 2019


© Hartmut Emrich

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